Im Gegensatz zur markierten Gehwegnase gibt die bauliche Einrichtung mehr Sicherheit. (Foto: Bernd Herzog-Schlagk)

Gehwegnasen werden in der Fachsprache als „Vorge­zogene Seitenräume“ oder „Gehweg­vorstreckungen“ bezeichnet [RASt 06; 6.1.8.4]. Sie dienen dazu, einen hinter Kfz-Parkstreifen, Liefer- oder Grünstreifen liegenden Gehweg an die Fahrbahn heranzuführen und so zu verbreitern. Gehwegnasen sollten mindestens 5 Meter lang sein und 30 bis 70 cm über die Parkstreifenbegrenzung hinaus in die Fahrbahn hineinragen. Wird dabei die Standardfahrbahnbreite nach RASt 06 (i.d.R. 6,50 m) unterschritten, spricht man von einer Einengung.

Der querende Fußverkehr ist an Gehwegnasen nicht bevorrechtigt. Gehwegnasen verkürzen aber den Querungs­weg und verbessern die Sichtverhältnisse. Einengungen können zusätzlich den Kfz-Verkehr verlangsamen. Querungen werden dadurch sicherer und einfacher.

Einsatzgebiete

Im Erschließungsstraßennetz, z. B. in Tempo 30-Zonen, sollten Gehwegnasen zum Standardrepertoire bei der Ausbildung der Kreuzungen und Einmündungen gehören. Insbesondere für Kinder sind am Fahrbahnrand parkende Fahrzeuge ein Sichthindernis, vor allem wenn illegal im Bereich des Parkverbots an Kreuzungen geparkt wird. Dieser Bereich misst laut §12 StVO fünf Meter entlang der Bordsteinkante der anliegenden Gehwege. Das illegale Parken kann dort durch den Bau einer Gehwegnase wirksam eingedämmt werden. Zusätzlich können Poller entlang der vorgezogenen Bordsteinkante verhindern, dass die Gehwegnase befahren wird.

Gehwegnasen kommen auch abseits von Kreuzungen in Betracht, wenn eine intensive Querungsbeziehung besteht und eine Fußgängerampel wegen des geringen Kfz-Verkehrs ausscheidet. Außerdem bieten sie sich in dicht bebauten Wohnquartieren an, wo zwischen lückenlos parkenden Autos oft kein Durchkommen ist. Sie können dann systematisch, z. B. alle 5 bis 6 Stellplätze, die Parkreihen unterbrechen.

Weitere Vorteile

Durch die Verbreiterung des Gehwegs wird einer gegenseitigen Behinderung von querenden, wartenden und vorbeigehenden Fußgängerinnen und Fußgängern im Bereich der Querungsstelle vorgebeugt. Gehwegnasen können auch der Aufstellung von Schildern, Beleuchtungsmasten, Bäumen und Fahrradbügeln dienen. Sie tragen somit dazu bei, den eigentlichen Gehweg von Hindernissen freizuhalten. Gehwegnasen können ebenfalls als Element der Stadtgestaltung zur Gliederung des Straßenraums eingesetzt werden.

Eine Kombination von Gehwegnasen mit anderen Querungsanlagen wie Fußgängerampeln, Zebrastreifen, Mittelinseln, Mittelstreifen, Belagwechseln und Teilaufpflasterungen ist möglich und sinnvoll.

Einengungen müssen für den Fahrzeugverkehr gut erkennbar sein – auch bei Nacht. Bei zweistreifigen Straßen mit starkem Schwerlastverkehr (Lkw, Busse) sowie bei Verkehrsstärken von mehr als 500 Kfz/Stunde sollte auf Einengungen verzichtet werden. Dies gilt auch, wenn der Straßenabschnitt Radfahrstreifen aufweist.

Gehwegnasen ohne Einengung sind hingegen grundsätzlich bei allen Verkehrsstärken und auch neben Radfahrstreifen anwendbar.

Kosten

Die Kosten unterscheiden sich je nachdem ob es sich um einen Neubau (nur geringe Mehrkosten gegenüber einem Verzicht auf die Gehwegnase, ca. 1.000 €) oder um einen nachträglichen Umbau handelt (ca. 5.000 € pro Gehwegnase).

 

 

Herausgeber:

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Im Gegensatz zum fahrenden Verkehr steht für den Fußverkehr in unseren Städten kein geschlossenes Wegenetz zur Verfügung. Gehwege gibt es in der Regel nur um den Häuserblock herum oder als Grünverbindungen. Deshalb müssen Fußgänger auf ihren Stadtwegen ständig die Fahrbahnen queren. Dabei geschehen die meisten Verkehrsunfälle mit Fußgängern als Opfer.

Um die Sicherheit zu erhöhen und für Fußgänger halb­wegs komfortable Fahrbahnquerungen zu ermöglichen, wurden und werden sogenannte Querungsanlagen ein­ge­richtet (z.B. Mittelinseln, Zebrastreifen, Ampeln). Damit die Fußgänger aber den Autoverkehrsfluss nicht zu stark bremsen, wurden die Querungsanlagen in den letzten Jahrzehnten reduziert (z.B. die Zebrastreifen) oder die Ampel­anlagen wurden auf "grüne Welle" für den Autoverkehr und auf "lange Wartezeiten" für die Fußgänger geschaltet. Zudem haben Kreuzungsbereiche vielfach selbst in kleineren Städten autobahnartige Größenordnungen angenommen. Die Fußwege wurden damit immer länger und unangenehmer.

In den letzten Jahren wurden in den technischen Regelwerken zur Straßengestaltung in den Städten die Fußgänger zumindest als gleichberechtigt mit den anderen Verkehrsteilnehmern verankert. Der Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. stellt in einer 54 Seiten umfassenden Broschüre mit dem Titel "Querbuch" Querungsanlagen vor und versetzt damit Laien in die Lage, sich vor Ort für die in der jeweiligen Verkehrssituation günstigsten Form einzusetzen. Ob es sich um eine Kreuzung in einer belebten Einkaufsstraße handelt oder um Planungen zur Verbesserung der Schulwegsicherheit; die teuerste Querungsanlage (Ampel) ist nicht grundsätzlich immer die erfolgversprechendste Maßnahme.

Im zum Thema passenden Quer-Format erfahren Sie daher Interessantes von Ampeln bis Zebrastreifen, aber auch weniger bekannte Querungshilfen wie Mittelinseln, Mittelstreifen, Gehwegnasen, Teilaufpflasterungen und Gehwegüberfahrten sowie Verkehrsberuhigte Bereiche werden mit Text und Fotos vorgestellt. Außerdem enthält die Broschüre eine Übersicht über alle Querungsanlagen und Informationen zu den verkehrlichen Rahmenbedingungen. Erläuterungen zu den Zuständigkeiten bei der Einrichtung von Querungsanlagen und ein Literaturverzeichnis runden das „Querbuch“ ab.

 

Um einen Eindruck vom Querbuch zu bekommen, können Sie hier das Kapitel zu Gehwegnasen lesen.

 

So sieht das Kapitel „Teilaufpflasterungen“ im Querbuch-Layout aus.

 

Um Änderungen an den Regelwerken und andere neue Erkenntnisse in das "Quer-Buch" einzuarbeiten, planen wir eine Neuauflage der Broschüre.. Leider sind Gestaltung und Druck derzeit noch nicht finanziell abgesichert.

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Sie können das Querbuch für nur 4,00 Euro (ab 5 Exemplaren 2,50 Euro) + Versandkosten in unserem Online-Shop in der Rubrik Broschüren > Fußverkehr – Queren bestellen.

In dieser Rubrik finden Sie auch Informationen zu Zebrastreifen sowie zum Konflikt- und Unfallpotenzial an Ampeln mit Grünpfeil (Broschüre, OH-Folien, Argumentationshilfen, Handlungsanleitungen, Musterformular für Widersprüche). In der entsprechenden Rubrik können Sie auch einen Aufkleber-Bogen "Schneller + Länger GRÜN für Fußgänger" bestellen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.geh-recht.de > Fußverkehrsanlagen > Querungsanlagen sowie www.fuss-ev.de > Themen > Fußgängerquerung von Fahrbahnen.